09.10.2026

Österreich: Kritik an Schließung des Ardo-Werks

Die angekündigte Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf östlich von Wien schlägt politisch hohe Wellen. „Ardo kehrt 500 bäuerlichen Betrieben im Marchfeld den Rücken zu. Das ist nicht nur eine Standortentscheidung, das ist ein Schlag gegen die österreichische Lebensmittelproduktion", kritisierte Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, die Entscheidung des belgischen Unternehmens.

Die niederösterreichische Landesregierung versucht derweil, Ardo umzustimmen. Laut der Nachrichtenagentur APA wurde Ardo unter anderem die Möglichkeiten eines Pachtmodells oder der Übernahme der Produktionslinie vorgeschlagen. Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf betonte, es gehe darum, sich Zeit für die Herstellung einer Ersatzstruktur zu verschaffen: "Erste Händler steigen schon von Ardo aus, weitere müssen folgen. Österreich lässt sich das nicht gefallen, denn es geht um die Versorgungssicherheit mit heimischem Gemüse."

Spar will Gemüse künftig von Schneider’s beziehen


In dem Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf werden mehr als 80 Prozent des in Österreich angebauten Tiefkühlgemüses verarbeitet. Abnehmer sind unter anderem Iglo – allein mit jährlich 3200 Tonnen Spinat –, aber auch Retailer wie Spar, Billa und Hofer für ihre Handelsmarken.

Die Kleine Zeitung berichtet, dass Spar ab Sommer 2027 als Reaktion auf die Werkschließung sein Gemüse von Schneider's Gemüseland (ebenfalls in Groß-Enzersdorf ansässig) beziehen will. Schneider's investiere dafür bereits in neue, vollautomatisierte Tiefkühllager und Abfüllanlagen, um die Kapazitäten zu erweitern.

Um den Standort weiterzubetreiben, wären erhebliche Aufwendungen in Produktion, Verpackung, Lagerhaltung und Infrastruktur erforderlich, begründet Ardo die Entscheidung. Vor dem Hintergrund der Distanz zum westeuropäischen Markt und der im Vergleich zu mittelosteuropäischen Ländern begrenzten Kostentragfähigkeit lässt sich die Produktion in Österreich nur für den dortigen Heimmarkt rechtfertigen. Für diesen relativ kleinen Markt sei der notwendige Kapitalaufwand jedoch zu groß, so die Belgier. Die Rede ist von etwa 100 Millionen Euro, die in den Standort investiert werden müssten. Ardo will den österreichischen Markt künftig mit Ware aus seinen europaweit über 16 Produktions-, Verpackungs- und Vertriebsstandorte bedienen.

Der TK-Report-Newsletter:
Hier kostenlos anmelden
TK-Report
TK-Report

Kontakt
  • Kontakt Redaktion
  • Kontakt Anzeigen
  • Kontakt Leserservice

Verlag